Wie steht es um meine persönliche Schutzausrüstung
Mit Bilder zu finden unter: http://www.sjmcc.ch/PDF/220228_Jeder_ist_einer_zuviel.pdf
Jeder ist einer zuviel
Wieder einmal, aus für mich traurigem Anlass, möchten wir auf diesem Weg ein Thema auf den Weg bringen bei der alle Motocrossfahrer nicht länger wegsehenkönnen. Auch in diesem Jahr kam es zu schweren Verletzungen der Wirbelsäule mit und ohne Schädigung des Rückenmarks. Diese Art der Verletzung ist mit Sicherheit die, die am weitest reichende Konsequenzen für das weitere Leben darstellt, keine Verletzung invalidisiert dermassen, was aber nicht bedeutet, das Verletzungen der Wirbelsäule mit Rückenmarksbeteiligung automatisch mit Invalidität verbunden sind. Ich möchte in diesem Beitrag nicht die Leser mit medizinischen Fakten langweilen sondern über die Folgen in einer deutlichen Sprache sensibilisieren. Die gefürchtete Komplikation an einer Wirbelfraktur mit Rückenmarksverletzung im akuten Schock zu versterben ist aufgrund unserer sehr modernen und schnellen Rettungssysteme eher selten geworden. Der spinale Schock beruht auf einer akuten Weitstellung der Blutgefässe durch fehlende Stimulation der Nerven auf die Gefässmuskulatur. Entscheidend ist an sich die Höhe der Verletzung, das heisst je tiefer die Verletzung gen Becken desto „geringer“ die Auswirkungen für das weitere Leben. Wir unterscheiden die Querschnittslähmungen in zwei Untergruppen, die aufgrund ihrer Symptome beschrieben werden. Zum einen die Paraplegie mit der Lähmung der unteren Extremitäten (ca. 60% der Fälle) und zum anderen die Tetraplegie (40%) bei der Arme und Beine betroffen sind. Wir müssen leider feststellen, dass es zurzeit kein etabliertes Verfahren zur Heilung bei einer Verletzung der Wirbelsäule mit Querschnittssymptomatik gibt, diese Verletzung müssen wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt als relativ endgültig ansehen. Die Lebenserwartung mit einer Paraplegie (Lähmung der unteren Extremitäten) liegt lediglich bei zwei, bei einer Tetraplegie (Lähmung aller Extremitäten) bei acht Jahren unter der durchschnittlichen Lebenserwartung, das heisst, bei einer Verletzung im Alter von 25 Jahren ist ein Leben mit dieser Behinderung für weitere 40 - 50 Jahre durchaus realistisch. Für diese Zeit stehen uns mittlerweile eine Vielzahl vernünftige und moderne Rehabilitationsmassnahmen und –mittel zur Verfügung und selbstverständlich ist heutzutage eine Behandlung der im Verlauf auftretenden Komplikationen angemessen möglich, die wir uns in diesem Land mit den gegenwärtigen finanziellen Möglichkeiten auch leisten können. Trotz aller Möglichkeiten bleibt diese Behinderung in der Frühphase ein Kampf um Millimeter Fortschritt, die für die Betroffenen eine tägliche disziplinierte Herausforderung in der Rehabilitation darstellt. Dieses betrifft nicht nur das erneute Erlernen von Bewegungsabläufen, Patienten mit einer Querschnittssymptomatik leiden häufig unter einer Blasen- und Darmentleerungsstörungen, evtl. Störung der Atemmechanik, Blasenentzündungen, Depressionen, sind wegen der fehlenden Schmerzempfindung extrem anfällig für Druckstellen, usw. und das vergessen wir sehr gerne wenn wir diesen Menschen begegnen, wir sehen primär nur den Rollstuhl. Das sind weiterhin auch nur die Menschen mit einer Querschnittslähmung die wir sehen, ein wenn auch kleiner Teil der Menschen bleibt mit hohem pflegerischen Aufwand zeitlebens an das Bett gefesselt und nimmt nur sehr selten am öffentlichem Leben teil. Wie in meinem Statement im SAM-Forum bereits erwähnt führen diese Verletzungen neben dem persönlichen Leiden der Betroffenen zu erheblichen volkswirtschaftlichen Kosten die auf den Motorsport an sich, den Verbänden und Veranstaltern einen erheblichen Druck ausüben. Entscheidend für die anfallenden weiteren Kosten ist die Frage ob es sich um einen Wirbelbruch mit oder ohne Rückenmarksbeteiligung handelt, bei Rückenmarksbeteiligung, in welcher Höhe (Hals-, Brust- oder Lendenwirbelsäule) die Verletzung vorliegt. Wenn wir in der Statistik der Unfallversicherungen (UVG) nachschauen ergeben sich im Zeitraum von 1997 – 2001 (+ 4Jahre) folgende Zahlen und ich möchte hier nur die Verletzungen der Brustwirbelsäule (Diagnosecode 8052X und 8062x) gegenüberstellen. Die Wahrscheinlichkeit, eine Rückenmarksschädigung im Bereich der Brustwirbelsäule bei einem Wirbelbruch zu erleiden, beträgt grob gerechnet 3% bei hochgerechneten 860 gegenüber 28 Fällen pro Jahr in der Schweiz, die Halswirbelsäule ist da bei ca. 12% für eine Rückenmarksschädigung deutlich gefährdeter. Wo sich die Zahlen ebenso deutlich unterscheiden sind die Behandlungskosten, die im Durchschnitt pro Fall SFr. 11'602 (total Versicherungsleistung SFr. 44'050 pro 4 Jahre) ohne Rückenmarksschädigung gegenüber SFr. 277'257 (total Versicherungsleistung SFr. 780’119 pro 4 Jahre) mit Rückenmarksschädigung betragen. In 10% der Fälle betrug die totale Versicherungsleistung bei Verletzung der Brustwirbelsäule mit Rückenmarksschädigung über 1'553'354 Franken in 4 Jahren. Diese Behandlungskosten werden von den Unfallversicherungen voll übernommen, wo es deutlich anders aussieht, sind die Zahlungen im Falle einer Invalidität, die bei den sogenannten Risikosportarten einen Abzug von 50% erfahren, d.h. vom letzten Gehalt das in der Regel als Berechnungsgrundlage dient werden die 70% Leistung um 50% gekürzt zuzüglich Leistungen aus der Pensionskasse bei Invalidität je nach Vertrag. Wenn ich bei der Sportart von meist jugendlichen Fahrern mit bescheidenem Einkommen und Beiträgen in die Pensionskasse ausgehe, sollte jeder einmal den Taschenrechner in die Hand nehmen und sich Fragen stellen ob die Invaliditätsleistung für sich nicht nachgebessert werden muss. Hier bietet sich zum Beispiel eine Zusatzversicherung über den SAM zu kollektiven Konditionen an, nach Aussage von Philipp Kempf nutzen dieses Angebot grob geschätzt nur 10% der Fahrer. Entscheidend zur Vermeidung von dieser gefürchteten Art dieser Verletzung ist das konsequente Tragen von Protektoren mit an sich zwei Zielen, zum Einen selbstverständlich die völlige Vermeidung von Wirbelfrakturen, zum Anderen, wenn es trotzdem zu einer Verletzung der Wirbelsäule kommen sollte, die Vermeidung einer Rückenmarksschädigung, die das weitere Leben so entscheidend beeinflusst. Es gibt für mich genügend und ganz konkrete Beispiele aus der Saison 2007, bei denen ich sicher bin das diese Stürze nicht so glimpflich verlaufen wären, wenn die Fahrer ihre Wirbelsäule durch das Tragen von Protektoren nicht so gut geschützt hätten. Gute Protektoren speziell zum Schutz der Wirbelsäule sind an sich von einigen Herstellern erhältlich, ich möchte an dieser Stelle festhalten dass der Brustpanzer allein einen ungenügenden Schutz vor Wirbelsäulenverletzungen bietet. Der Brustpanzer an sich besitzt ungenügende Dämpfungseigenschaften, weiterhin bestehen erhebliche Versorgungslücken im Bereich der Hals- und Lendenwirbelsäule. Zweifelsohne die für mich beste Kombination zur Vermeidung von Wirbelsäulenverletzung ist das Tragen eines Nacken- und Wirbelsäulenprotektors. Es werden zurzeit verschiedene und verschieden teure Systeme angeboten, ob es sich bei den teuren Systemen auch um die Besseren handelt, den Beweis blieben uns die Hersteller bislang schuldig. Ich denke, das für einen guten und kompletten Schutz der Wirbelsäule die Investition ca. 400 Franken beträgt, eine Investition für mehrere Jahre, lediglich Protektoren mit einer Aluminiumwabenkonstruktion sollten nach Stürzen konsequent ausgetauscht werden da sie ihre Dämpfungseigenschaften verlieren. Im Laufe der letzten Jahre hat im Bereich der Protektoren der Tragekomfort deutlich zugenommen und die Argumentation der Fahrer, egal ob Supermotard oder Motocross, „ich kann mit den Dingern nicht fahren“, kann ich nicht verstehen und ist so auch nicht mehr haltbar sondern lediglich eine Frage der Gewohnheit. Wir möchten Euch mit diesem Artikel die Freude am Motorradsport nicht nehmen und wir wissen um dieses sensible Thema aber um die Tatsachen kommen auch wir nicht herum und wir würden uns freuen wenn auch andere Rennserien und Verbände in der Schweiz dieses Thema aufgreifen würden. Ich möchte abschliessend noch auf die Stiftung des KTM-Werksfahrers Heinz Kinigadner (wings for life) verweisen, die er im Jahr 2002 nach dem Unfall seines Sohnes Hannes mit nachfolgender Querschnittsymptomatik ins Leben gerufen hat. Diese Stiftung unterstützt Forschungsprojekte in Zusammenarbeit mit renommierten Nervenspezialisten der ganzen Welt mit dem Ziel, diese schwere Verletzung heilen zu können und ist auf Spenden angewiesen. Jeder ist einer zuviel, schützt Eure Wirbelsäule!
Ulli Woelk personal sport service
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