Cross de Nation 2007 in Vimmerby Schweden
Vimmerby, ca. 280km südlich Stockholm, zwischen dem Südende des Vätternsee und der Ostsee gelegen war am Samstag 15. Sept. Austragungsort des Motocross des Nations 2007. Rund 1550km hatten die Vertreter des OMC Schweiz zurückzulegen um an den vor allem durch die Schriftstellerin Astrid Lindgren (Pippi Langstrumpf) zu gelangen. Nicht gerade einladend war das Wetter am Freitag vor den Rennen – es regnete teilweise bei gerade mal 8 bis 10°C und unangenehmer Wind heiterte die Stimmung auch nicht wesentlich auf. Die Wettervorhersagen liessen aber auf Besserung hoffen. Unter der Mithilfe und Beten des „heiligen Josefs“, zu welchem Joe Büsser durch Christer Carver ernannt wurde, klarte sich glücklicherweise der Himmel am Samstagmorgen auf und lediglich die kalten Temperaturen und der gelegentlich sehr starke Wind blieben. Pünktlich um neun Uhr wurde zum Training der drei Kategorien gestartet. Die Trainigszeiten konnten nur schwer eingestuft werden, da nach Reglement nicht um die Startplätze gefahren werden musste, sondern die Reihenfolge am Startbalken durch Verlosung zugewiesen wurde. Teammanager Beny Winiger zog die Nummern 1 für das Team 50+, die 4 für das Team 60+ und die 6 für das Team 40+. Leider haben sich dieses Jahr nicht so viele Länder für das Nationencross angemeldet wie auch schon, in der Kategorie 50+ trat die Holländische Mannschaft aus Pietätsgründen nach dem plötzlichen Tod ihres Fahrers John Bower nicht zum Wettkampf an. Nach einer etwas gar langen Fahrerpäsentation, bei welcher die Italiener und die Schotten ihre Nationalhymnen als Chor gleich selber sangen, ging´s zurück ins Fahrerlager zu den letzten Vorbereitungen für den Einsatz.
Traditionsgemäss starteten die 60+ Fahrer als erste in die Wertungsläufe. Bei einwandfreien Bedingungen stellten sich die Akteure an den Balken. Erwartungsgemäss übernahmen die Schweden, Holländer Engländer und Dänen die Spitze. Von den Schweizern vermochte einzig Werner Mohr vorne mitzuhalten, bevor er nach 2/3 des Laufes mit Zündungsdefekt ausschied. Hubert Brügger, Ueli Gerster und Jean Marie Mathez blieben im Rennen, konnten sich aber nur in der 2. Hälfte der Zwischenrangliste klassieren. Der 2. Lauf endete etwas besser. Werner musste schon zu Beginn unverschuldet zu Boden und in seiner gewohnt angriffigen Fahrweise rollte er das Feld von hinten auf und am Schluss blieb ihm der versöhnliche 10. Rang. Die zählbaren 113 Rangpunkte des ganzen 60+ Teams reichten schliesslich für den 6. Schlussrang. Gewinner waren die Schweden (30 Pt.) vor den Holländern mit dem OMC-Mitglied Piet van Dijk (33 Pt.) und den Dänen (56 Pt.).
Im Team 50+ zeigte sich von Anfang an Rolf Baumann in hervorragender Verfassung. Die lange Startgerade mit der anschliessend weiten Kurve fand er richtig geil und im Stile eines Speedwayfahrers kam er jeweils angeflogen und beendete den ersten Lauf auf dem tollen 3. Rang. Mit den Rängen 7 und 11 durch Beny Winiger und Wädi Senn bewiesen die Schweizer, dass sie durchaus mit der Spitze mithalten konnten und belegten nach dem ersten Durchgang Rang 2 hinter den Schweden, aber deutlich vor den Dänen. Die Anspannung wuchs am Start des 2. Laufes, lag doch eine Verteidigung des letztjährigen Vize-Titels absolut im Bereich des Möglichen. Wädi gewann den Start und auch die roten Leibchen von Beny und Rolf waren in vorderster Front zu sehen. Umso grösser der Schreck, als Rolf plötzlich die Hand hob. Wädi, sichtlich irritiert durch den Ausfall seines Teamkollegen, kam zu Fall und auch Beny konnte nur mit einem Schwenker einen Sturz über Wädi hinweg verhindern. Rolf musste leider mit einem Bruch der Zündspule aufgeben. Beny und Wädi fuhren das Rennen beherzt weiter und kreuzten die Ziellinie als 5. und 9. Dank dem dass Jack Frei auf seiner 250-er Husky einem Schweizer Uhrwerk gleich seine Runden drehte, konnte er auch hervorragende 16 Rangpunkte zum Schlussresultat beitragen. Die insgesamt 51 Punkte reichten für den feinen, eher unerwarteten 2. Rang hinter den Schweden (39 Pt.) und vor den Engländern (55 Pt.).
Gespannt wartete man auf den Auftritt des 40+ Teams. Nach den hervorragenden Leistungen in der EM von Ueli Utzinger, Joe Büsser und Dany Nüssli hatte man die Ziele hochgesteckt und eigentlich liebäugelte der Eine oder Andere mit einem Podestplatz. Aber auch in dieser Kategorie zeigte sich, dass der Sand in Schweden nicht unbedingt das geliebte Terrain der Schweizer ist. Abgesehen vom 8. Rang von Ueli im 2. Lauf konnten nur Plätze am Ende der ersten Ranglistenhälfte belegt werden. Dany Nüssli stürzte im 1. Lauf an guter 5. Stelle liegend und musste sich am Schluss mit Rang 16 begnügen. Joe fand sich auf der Ersatzmaschine von Bruno Müller eigentlich gut zurecht, für mehr als zwei 13. Ränge reichte es aber nicht. Reto Vittori fuhr mit der 250-er CZ von Wädi im Bereich seiner Möglichkeiten, konnte aber auch nichts zur Resultatverbesserung beitragen. Am Ende reichten die 87 Punkte nur für den doch enttäuschenden 6. Rang. Auf dem Podest waren die Schweden (45 Pt.) vor den Holländern (46 Pt.) und den Finnen (61 Pt.).
Insgesamt war es eine von den Schweden ausserordentlich gut organisierte Veranstaltung, welche Motocross auf sehr hohem Niveau gezeigt hat. Herauszuheben ist auch, dass kein einziger Unfall passiert ist und kein einziger Protest eingereicht wurde. Der Veranstalterpokal wurde an die Finnen weitergegeben – denn das Motocross des Nations 2008 findet in Heinalo, ca. 140 km nördlich Helsinki statt. Man darf gespannt sein, wie viele Nationen bereit sind, einen so langen, aufwändigen Weg an diese Veranstaltung unter die Räder zu nehmen.
Bericht und Fotos von Elsbeth Kunz
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